Gemeinsamer Brief unserer Nachbargemeinden zu Pfingsten

Liebe Gemeinden des Falkenhagener Feldes.

Hiermit grüßen wir Sie in ökumenischer Verbundenheit auch an diesem Pfingstfest! Wenn auch unter gänzlich anderen Vorzeichen als in den zurückliegenden Jahren. Wenn auch in anderer Form. Weil wir aus Rücksicht auf unser aller Gesundheit in diesem Jahr auf einen gemeinsamen Pfingst-Fest-Gottesdienst verzichten.

Pfingsten ist seit etwa 130 belegt und seit dem 4. Jahrhundert eines der drei Hauptfeste im Kirchenjahr der Christen. Im Mittelalter und in der frühen Neuzeit entstanden kirchliche Bräuche. Wobei zur Unterstützung des Verständnisses des Pfingstgeschehens während des Gottesdienstes hölzerne Tauben oder brennendes Werg durch das „Heilig-Geist-Loch“ herabgelassen wurden.
Im Kirchenkalender bildet das Pfingstfest den Abschluss der österlichen Festzeit. Der Name „Pfingsten“ deutet noch darauf hin: Denn das deutsche Wort „Pfingsten“ stammt von dem griechischen Begriff „pentekoste“, der so viel wie „fünfzigster (Tag)“ bedeutet und „nach Ostern“ meint. Denn dieser fünfzigste Tag nach dem ersten Passahfesttag war der Termin für das jüdische „Wochenfest“, das auch „Pentekoste“, „Fest des fünfzigsten Tages“ genannt wurde. Durch den zeitlich festen Bezug auf Ostern ist Pfingsten wie Ostern ein terminlich variables Fest und wechselt im Kalender zwischen dem 10. Mai als frühesten und dem 13. Juni als spätesten Termin.

Ein Frühsommerfest im Mai mit schwindendem christlichem Bezug

Viele Menschen in Deutschland denken inzwischen, sobald das Pfingstfest naht, vor allem und zuerst an das Wetter. Wird es schön werden? Webseiten und Apps haben sich auf Voraussagen spezialisiert und geben Empfehlungen, wo mit größter Wahrscheinlichkeit über die Feiertage in Deutschland kein Regenschirm benötigt werden wird. Denn Pfingsten ist vor allem ein Fest der Freizeit und Feiertagsaktivitäten geworden, für jedermann, mit Ausflügen in die neu erblühende und grünende Natur – per Fuß im Wandern, per PKW oder Rad oder einfach nur im Spazierengehen, mit Freunden oder der ganzen Familie. Der ursprüngliche Sinnbezug von Pfingsten als wichtiges Fest im christlichen Jahreslauf tritt dabei für viele immer mehr zurück. Laut Umfragen denken drei Viertel der befragten Ostdeutschen und knapp über die Hälfte der Westdeutschen an Pfingsten nicht mehr an das Fest des Heiligen Geistes, das es für Christen ist, sondern vorrangig an ein Frühsommerfest mit viel Freude im Grünen.

Inhaltlich ist das christliche Pfingstfest eng verbunden mit dem Fest der Himmelfahrt Christi, der Auffahrt Jesu Christi in den Himmel, die erst nach dem 4. Jahrhundert einen eigenen kirchlichen Feiertag erhielt und heute zehn Tage zuvor begangen wird, also am Donnerstag in der Woche vor Pfingsten. Bis zum 4. Jahrhundert wurden beide Feste von den Christen noch zusammen an einem Tag gefeiert. Dieser Feiertag, der heute auch Gottesdienste im Freien kennt, wurde seit Ende des 19. Jahrhunderts aber von Preußen ausgehend zum Termin von feucht-fröhlichen Herrenpartien und „Männertags“- bzw. „Vatertags-Ausflügen“, die nicht selten in unmäßigem Alkoholgenuss endeten und enden – mit allen seinen Begleiterscheinungen.

Und in diesem Jahr nun nicht einmal mehr das, in diesem Jahr Bekämpfung einer Pandemie, Einschränkungen, Verzicht auf Begegnung, Miteinander und Feiern.
Aus gutem Grund.

Vielleicht hat uns Pfingsten aber auch in solchen Zeiten seine Botschaft zu sagen:                 „Dazwischen“ überschreibt der österreichische Priester und Autor Martin Gutl ein Gedicht. „Dazwischen“, mitten im Alltag, so sagt er, wird Ostern (und Pfingsten), ereignet sich Auferstehung auf vielfältige Weise.

Und das könnte heißen: Resigniere nicht zu früh! Gib deine Ideale nicht auf. Gib dein Bemühen um deine Ehe, deine Kinder, um Gesundheit, um die Menschen, das Suchen nach einer besseren, gerechteren Welt nicht auf. Und fang immer wieder an! Wenn du am Boden liegst, steh wieder auf! Wenn du Menschen abschreiben möchtest, versuch´s noch einmal! Lass dich nicht zu früh entmutigen. Vertrau darauf: Jesus ist mit dir. Auch wenn du es oft nicht merkst. Er ist da – als der verborgene Weggefährte deines Lebens.

Manchmal stehen wir auf – stehen zur Auferstehung auf – mitten am Tage. Finden damit den Weg in ein begeistertes und begeisterndes Leben.

Zwischen den Zeilen,
zwischen den Worten,
zwischen den Gebeten.
zwischen den Tränen,
zwischen den Glückwünschen.
zwischen den Flüchen,
zwischen den Kranken,
zwischen den Verbrechern,
zwischen den Flüchtlingen,
zwischen den Unterdrückten,
zwischen den Gedemütigten,
zwischen den Geehrten,

ein Aufflackern,
ein Aufleuchten,
ein Aufblicken.
Auferstehung im Leben.

Zwischen Katastrophe, Auferstehung
mit Neubeginn und kraftvoller Begeisterung bewegen wir uns jetzt im Kirchenjahr.
Auch in unseren unterschiedlichen Gottesdienst-Traditionen.

 

In diesem Sinn wünschen wir unseren Kirchengemeinden im Falkenhagener Feld Ev. Paul-Gerhardt-Gemeinde, Ev. Zuflucht und Jeremia Gemeinde und Kath. Gemeinde St. Markus 

gesegnete und vom Heiligen Geist erfüllte Pfingsttage!

 

Pfrn. Neuguth, Prädikant Liefke, Pfrn. Schönfeld und Pfr. Gewers