4. Sonntag der Osterzeit: „Der gute Hirte“, Bildbetrachtung

4. Sonntag der Osterzeit: „Der gute Hirte“, Bildbetrachtung

03.05.2020:      4. Sonntag der Osterzeit: Der gute Hirte – Joh. 10, 1-10

Mosaik aus Ravenna, Galla Placidia, 5. Jahrh.
„Der gute Hirte“

Evangelium Joh 10, 1–10
Ich bin die Tür zu den Schafen

Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes.

In jener Zeit sprach Jesus:

1   Amen, amen, ich sage euch:
Wer in den Schafstall nicht durch die Tür hineingeht,
sondern anderswo einsteigt,
der ist ein Dieb und ein Räuber.
2  Wer aber durch die Tür hineingeht,
ist der Hirt der Schafe.
3   Ihm öffnet der Türhüter
und die Schafe hören auf seine Stimme;
er ruft die Schafe, die ihm gehören, einzeln beim Namen
und führt sie hinaus.
4   Wenn er alle seine Schafe hinausgetrieben hat,
geht er ihnen voraus
und die Schafe folgen ihm;
denn sie kennen seine Stimme.
5   Einem Fremden aber werden sie nicht folgen,
sondern sie werden vor ihm fliehen,
weil sie die Stimme der Fremden nicht kennen.
6   Dieses Gleichnis erzählte ihnen Jesus;
aber sie verstanden nicht den Sinn
dessen, was er ihnen gesagt hatte.
7   Weiter sagte Jesus zu ihnen:
Amen, amen, ich sage euch:
Ich bin die Tür zu den Schafen.
8   Alle, die vor mir kamen,
sind Diebe und Räuber;
aber die Schafe haben nicht auf sie gehört.
9   Ich bin die Tür;
wer durch mich hineingeht,
wird gerettet werden;
er wird ein- und ausgehen und Weide finden.
10   Der Dieb
kommt nur, um zu stehlen, zu schlachten und zu vernichten;
ich bin gekommen,
damit sie das Leben haben
und es in Fülle haben.

Evangelium unseres Herrn Jesus Christus


Bildbetrachtung:
Die alte Stadt Ravenna im Nordosten Italiens ist eine Goldgrube der besonderen Art-
ein Paradies der byzantinischen Mosaikkunst. Wohl nirgendwo sonst finden sich so konzentriert solch edle Schatzkammern voll glänzender Mosaiken, wie in den Bauten und Kirchen Ravennas. Unser Mosaik aus dem Mausoleum der Kaiserin Galla Placidia (5. Jahrh.) zeigt den frühchristlichen Typos Christi, dem man schon in den Katakomben Roms begegnet, den guten Hirten.
Diese spätantiken Darstellungen haben noch nichts von den süßen und oft kitschigen Hirtenbildern des späten
19. Jahrhunderts (von den Nazarenern geprägt). Auch unser Hirte zeigt die typische Strenge, wie sie der byzantinischen Bildkunst eigen war. Christus sitzt erhaben auf einem steinernen Thron, den langen Kreuzstab umfassend. Die großen klaren Augen, das lockige Haar, umgeben von der kräftigen goldenen Aureole, geben
diesem Angesicht die besondere Würde und Anmut. Mit der rechten Hand berührt er sanft den Kopf eines Schafes, als wolle er es füttern. Der bekannte Psalm 23 „Der Herr ist mein Hirte“ schildert in ergreifender Weise die Sorge
und Pflege dieses Hirten an seinen Schützlingen- er ist also auch der gute Pfleger. Die weiteren Schafe stehen oder sitzen genügsam und gemütlich auf dem grünen Wiesengrund in friedlicher Idylle.
Alle richten sich nach Ihm aus , als wollten sie jetzt seine Stimme hören: „Er ruft sie einzeln beim Namen… und sie folgen ihm, denn sie kennen seine Stimme.“ (nach dem Sonntagsevangelium Joh 10,3-4)
Das ist kein Kadavergehorsam, sondern Nachfolge Christi, das Hinhören auf den besonderen Klang, die Musik dieses außerordentlichen Hirten.
„Noch nie hat ein Mensch so gesprochen wie dieser!“ staunten seine Hörer, und Petrus bekennt:

    „Zu wem sollen wir gehen, Herr? Du hast Worte des ewigen Lebens!“ (Joh 6,68).

Das ist das Charisma, die besondere Vollmacht, die aus seinem Mund ertönt. Gottes Wort aus Menschenmund. Auch heute klingt es in den Evangelien: Wer hier richtig hört und lauscht, kann sie hören – die Musik und Melodie der Liebe; stark und sanft zugleich.

Pfr. Bernhard Gewers

 



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